Liebe macht blind - im Zweifelsfall auch fünf Jahre.

Hey meine lieben Leser!


Gestern Abend, nachdem ich meinen Blogeintrag hochgeladen habe, habe ich mich auf mein Bett geschmissen und war total fertig. Ich nahm mein Handy in die Hand und guckte mir noch ein wenig auf Instagram eure Bilder an. Als ich nun alle neuen Bilder durch gesehen habe, bin ich auf Facebook gegangen. Gescrollt, gescrollt und gescrollt. Dann blieb mein Daumen plötzlich stehen und es stach in mein Herz. Was ich dort sah, war ein Foto von einem Konzertplakat. Es war zwar sehr weit weg, aber ich kannte diese Person, die auf dem Plakat abgebildet war, besser als mir lieb war…

Es war April 2010. Ich hatte erste Anzeichen meiner Depression gezeigt und wurde stark untergewichtig. Meine Mutter ging mit mir zum Arzt. Mein Hausarzt damals setzte so an, dass er mich fragte, ob es irgendwas gibt, was ich gerne machen würde. Ein Hobby oder sowas. Ich sagte, dass ich gerne ein Instrument lernen würde, am aller liebsten Gitarre. Meine Mutter sagte dazu, dass wir uns vielleicht den Unterricht leisten könnten, wenn es nicht allzu teuer wäre, aber dass eine gute Gitarre niemals drin sei. Und dann sagte mein Arzt den Satz, der mein Leben letztendlich veränderte. Ich weiß bis heute nicht sicher, ob mein Leben sich da zum positiven oder negativen gewendet hat. Aber es veränderte sich alles. Mein Arzt sagte: „Wir machen einen Deal. Mein bester Freund hat eine Musikschule. Das ist bezahlbar. Wenn du zu ihm in den Unterricht gehst, dann schenke ich dir eine gute Gitarre.“ Ich gab ihm die Hand. Vielleicht mit der größte Fehler meines Lebens… Ich meldete mich gleich am nächsten Tag an und bekam einen Termin am Dienstag. Ich weiß es noch genau, es war der 27.04.2010 und ich machte mich auf den Weg in die besagte Musikschule. Ein alter Mann, welcher dann auch mein Lehrer war, begrüßte mich und ich hielt meine erste Stunde ab. Es hat mir super gefallen. Am nächsten Tag ging ich wieder zu meinem Arzt und er hatte die Gitarre sogar schon da. Ich war überglücklich und seit dem ging es dann auch wieder mit meiner Gesundheit bergauf. Der nächste Dienstag kam auch wieder schnell. Als ich da war, sah ich einen Jungen, der anscheinend auch Lehrer war, in meiner Musikschule, den ich in der Woche zuvor noch nicht gesehen habe. Er war hübsch. Ich fand ihn toll. Es gab nun nichts besonderes… er hatte halt schwarze, kurze Haare und war ganz schlicht und normalo mäßig angezogen. Aber irgendwas fand ich toll an ihm. Ich sah ihn jede Woche wieder und irgendwann, war ich mir ziemlich sicher, dass ich in ihn verliebt war. Es war das aller erste Mal, dass ich verliebt war. Wir redeten nie viel. Mal ein Hallo oder so, das war drin, aber mehr auch nicht. Aber er ließ mich nicht los. Jeden Tag dachte ich an ihn und meine Gefühle wurden stärker und stärker. Ich fand heraus, dass er Phillip (Name abgeändert) heißt. Nach vielen Wochen redeten wir schon Mal ein paar Sätze. Aber immer noch auf Small Talk Ebene. Aber das störte mich rein gar nicht. Jeden Tag dachte ich an ihn, ich war so vernarrt. Für mich war alles an ihm perfekt. Wenn er da war, war alles egal, er war dann der Mittelpunkt. Wie das eben so ist, wenn man das aller erste Mal verliebt ist... Ich war jedes Mal, wenn Musikschule bevorstand, fürchterlich nervös. Ich kannte das Gefühl nicht. Jedes Lächeln von ihm war der größte Preis für mich, das Highlight der Woche. Doch dieses wurde mir bald weggenommen.

Mein Musiklehrer rief mich eines Tages an, ob es mich stören würde, wenn ich anstatt Dienstags, Montags kommen würde, da es für ihn besser passen würde. Ich dachte da nicht lange drüber nach und sagte, dass das kein Problem wäre. Was das allerdings für ein enormes Problem darstellen würde, merkte ich erst eine Woche später.

Ich machte mich fertig für die Musikschule, seit ich Phillip kannte, schminkte ich mich auch, so auch jenen Tag. Ich war nun schon gute sechs Monate in meiner Musikschule, war jeden Tag ein Stück mehr in Phillip verliebt und freute mich auch jede Woche mehr, ihn zu sehen. Ganz motiviert und schnellen Schrittes ging ich in meine Musikschule, strich mir nochmal durchs Haar und übte mein schönstes Lächeln. Aber als ich da war und im Warteraum war… Ich hörte ihn nicht. Ich sah ihn nicht. Er kam auch nicht aus dem Raum, aus dem er sonst immer um diese Uhrzeit kam. Und es lief mir kalt den Rücken runter, als ich begriff, dass ich nicht drüber nachgedacht hatte, dass die Möglichkeit bestand, dass er am Montag gar nicht da war. Ich hatte einen Klos im Hals und fragte meinen Lehrer direkt. Und ich hatte Recht. Aber das schlimmste war: Ich konnte das mit dem Termin nicht rückgängig machen, weil mein Lehrer den für einen Schüler brauchte, der ausschließlich am Dienstag Zeit hatte. Auf dem Rückweg weinte ich. Ich hasste mich, denn ich würde Phillip auch nicht so treffen, denn er kam nicht aus meinem Ort sondern von relativ weit her. Das war ein so unglaublich herber Rückschlag. Ich weinte lange und meine Hoffnung, dass er vielleicht doch die nächste Woche da sein würde, zerschlug sich jede Woche aufs neue. Und so litt ich auch jede Woche. Sein Verlust war schlimm für mich. Sehr schlimm. Ich konnte ja auch nichts machen, ich war 12 oder 13, was hätte ich schon groß tun sollen? Drei Monate war ich wirklich sehr niedergeschlagen. Ich vermisste ihn so, ich konnte das nicht in Worte fassen. Irgendwann wurde die Trauer weniger. Aber ich vergaß ihn nicht. Nie. Ich weiß nicht was er mit mir gemacht hat, aber ich dachte jeden Tag an ihn, obwohl genauso jeder Tag verging, ohne dass ich ihn sah oder hörte.

Ich hatte tatsächlich einen Freund, ca ein Jahr nach seinem Verlust. Aber die Gefühle waren nicht wie bei Phillip. Außerdem dachte ich immer an ihn, wenn ich meinen damaligen Freund küsste! Das ging so natürlich auch nicht… und irgendwann verließ ich meinen Freund wieder. So ging es ewig weiter, bis ich keine ernsten Beziehungen mehr hatte, sondern nur irgendwelche Typen an meiner Seite hatte, von denen ich vielleicht mit Glück den Namen noch wusste, nach ein paar Tagen. Ich wurde komplett beziehungsgestört. Da ich unendlich viele Typen durch hatte, weil ich wusste, dass ich niemanden außer Phillip lieben konnte, geriet ich auch in falsche Kreise. Saß mit meinen Kerlen, an die ich mich heute nicht mehr erinnern kann, trinkend in der Stadt. Diese Phase endete zum Glück schnell. Aber meine Beziehungsstörung war da und ich konnte ich nichts mehr dran ändern. Ich hatte keine Lust mehr auf irgendwas, hatte zwar wieder längere Beziehungen, aber da war nichts ernstes bei. Ich konnte ja nicht lieben. Erzählte es allerdings vielen. Dass ich sie liebte… War nie so. Immer wenn ich das Wort „Liebe“ in den Mund nahm, dachte ich nur an eine Person… und das war in dem Moment nicht die, die ich vielleicht hätte meinen sollen…

Aber eines änderte sich nie. Ich ging weiter zu meiner Musikschule. Das hatte ich trotzdem nie aufgegeben. Jede Woche ging ich mit meiner Gitarre auf dem Rücken in die Stadt, zu meiner Musikschule. Wie auch im Dezember 2014.

Wie jede Woche, seit bald fünf Jahren, dachte ich auf dem Weg zu meiner Musikschule an Phillip. Aber ich fühlte mich nicht gut. Irgendwas war anders. Ich hatte eine fürchterliche innere Unruhe. Trotzdem versuchte ich mich auf meinen Unterricht so gut wie es ging zu konzentrieren. Aber ich ließ mich von jeder Kleinigkeit ablenken. Zum Beispiel von einem jungen Mann, Anfang 20, den ich nicht kannte. Er suchte irgendwas und sah ihm gespannt dabei zu. Er sah verdammt gut aus. Lange, braune Locken bis zu den Schultern, Mütze auf, perfektes Gesicht, im Vintage Style angezogen. Einfach so, wie ich mir ein Kerl, zu der Zeit vorgestellt hatte, total mein Typ. Er lächelte mich an und dann sagte er das erste Wort. „Hallo“. Meine Gitarre fiel mir vom Schoß. Ich zitterte. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich kannte ihn doch. Und in dem Moment sagte mein Musiklehrer: „Huch Schwächeanfall? Erinnerst du dich noch an Phillip?“ Mega beschissene Frage. Ich konnte nichts sagen. Phillip ging wieder weg und ich musste den Unterricht abbrechen und setzte mich ans Wasser. Ich konnte es absolut nicht glauben. Wie er sich verändert hat! Und erst jetzt merkte ich, dass ich jeden verdammten Tag von diesen fast fünf Jahren damit verbracht hatte, auf diesen Moment zu warten und zu hoffen. Meine Gefühle spielten komplett verrückt. Wie erwartet, liebte ich ihn wie am Anfang. Aber ich machte mir keine großen Hoffnungen, dass er nächste Woche wieder da sein würde. Dem war aber nicht so. Er war da. Als er mich sah, lächelte er. Und dann hab ich aus dem Affekt einen Entschluss getroffen und sagte noch in der Tür zu meinem Lehrer: „Ich will bei Phillip E-Gitarre lernen“. Mein Musiklehrer sagte da nicht viel zu, er ließ mich machen und eine Woche später hatte ich bei Phillip Unterricht. Schon Stunden davor hatte ich Schnappatmung. Ich war NIE so aufgeregt gewesen. Die Stunde war einfach perfekt. Wir unterhielten uns viel. Ich blieb bei seinem Unterricht. Und jedes Mal war für mich schöner. Mit der Zeit kam jede Menge Körperkontakt dazu. Er berührte meine Hände, wenn er mir einen Akkord zeigen wollte und einmal kam er so weit vor, dass wir Stirn an Stirn dort saßen. Er hielt den Moment und ich explodierte innerlich.

Fünf Monate ging das so, es war irgendwann Anfang Mai, als ich ihm den Brief zusteckte, in dem alles drin stand. Die ganze Geschichte, denn er konnte sich nicht mehr an mich erinnern. Ich gestand ihm meine Liebe und alles was ich fühlte. Der Brief war über drei Seiten lang, in den gut vier Jahren hatte sich so viel angesammelt, was ich ihm unbedingt sagen wollte. Ich brauchte Wochen zum Schreiben, da ich immer wieder weinen musste. Ich gab ihm den Brief, als ich eine Woche ausfallen lassen musste, damit er Zeit hatte darüber nachzudenken. Ich hatte mit einem Anruf oder so gerechnet… aber gar nichts… zwei Wochen ließ er mich nun wirklich zappeln. Ich dachte, er will es mir einfach nur persönlich sagen, aber einen Tag vor meiner nächsten Unterrichtsstunde, kam eine Nachricht auf Facebook. Die Nachricht war lang… ein sehr sehr langer Korb… Er schrieb, dass er eine Freundin hat und dass das alles sowieso nicht gehen würde… Ich verstand es nicht. Wieso berührt er mich ständig und sucht Körperkontakt? Ich war völlig fertig, schnitt mir nach allen Regeln der Kunst die Arme auf und lag wie ein Wrack, die ganze Nacht wach in meinem Bett. Am nächsten Tag beim Unterricht musste ich mich zusammenreißen, nicht zu weinen, als ich ihn sah, aber ich wollte mir das weiter antun. Ich liebte ihn einfach und wollte ihn nach vier Jahren warten nicht wegen eines Korbes aufgeben… Jede Woche wieder quälte ich mich hin. An unserem Verhältnis änderte sich gar nichts, er fasst mich weiter an. Nur das ab da jede Berührung schmerzte. Irrsinnigerweise redete ich mir die ganze Zeit ein, dass Phillip mein schreckliches Tief, dass ich ab Mai durchlebte, erträglich machte, und dass ich ihn brauchte. Dass er aber ganz alleine für das Tief verantwortlich war, das sah ich nicht… Und so ging ich weiter zum Musikunterricht und war danach jedes Mal ein bisschen kaputter.

Im August 2015 fing ich dann mein FsJ an. Und sah da meinen Torben das erste Mal. Ich verliebte mich auf den ersten Blick in ihn, er hatte so eine positive Wirkung auf mich. Und ich dachte nicht an Phillip, wenn ich ihn sah! Es war perfekt mit ihm, ich ging aber trotzdem weiter zum Musikunterricht. Zwei Mal noch, nachdem ich Torben kennenlernte. Dann bekam ich eine SMS von Phillip. Ich sollte mich nach einem anderen Musiklehrer umsehen, er würde in einen Ort ziehen, der 670km von hier entfernt ist. Ich konnte es zuerst nicht fassen und weinte tagelang, denn entliebt hatte ich mich von Phillip noch nicht. Aber ich glaube, wenn ich Torben nicht gekannt hätte wäre es schlimmer gewesen, denn ich liebte Torben wesentlich mehr. Ich glaube, nur durch ihn hatte ich es geschafft. Aber ich fühlte mich trotzdem grausam. Ich schrieb Phillip eine SMS, dass ich mich verabschieden will. Und dann schrieb er das, was das alles einfach für mich machte. „Bringst du Geld mit?“ Dafür die Berührungen. Er kannte meine Gefühle vom ersten Tag an und hat mich komplett gesteuert und benutzt. Er wusste alles von Anfang an! Ich war so sauer, dass ich ihn an der Musikschule abfing um ihm die Meinung zu sagen. Als er mich dort sah, kam er raus und sagte mir gespielt freundlich tschüß und umarmte mich sogar. Dafür bekam er mit Anlauf eine geknallt von mir. Ich sagte ihm die Meinung, wie sehr ich ihn doch verachte für diese scheiß Nummer. Zum Schluss knallte ich ihm noch mal eine, es fühlte sich so gut an. Das war das letzte Mal, dass ich ihn berührte. Ich hörte und sah seit dem Tag nie wieder was von ihm.

Umso glücklicher bin ich, dass ich mittlerweile meinen Torben habe. In ihm hab ich einen richtigen Kerl gefunden und keinen feigen Idioten, der nur das Geld haben wollte. Leute seid euch immer drüber im Klaren: Liebe macht blind. Und manchmal einfach zu blind. Sodass man alles in allem über fünf Jahre seines Lebens verschwendet.

Torben ich liebe dich. Mehr als ich diesen Arsch je lieben konnte. Du hast den aus dem Rennen geworfen und ich bin mir sicher, dass es Schicksal war, dass der Affe sich endlich aus meinem Leben verkrochen hat, als ich dich kennenlernte.


Bis morgen.

Eure Melli.

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28.2.16 21:40

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